Dienstag, 24. März 2009

letzter Halt: Mendoza

Zurueck in Argentinien war noch ein Ort geplant, bevor wir ueber Buenos Aires - Salvador - Frankfurt - Berlin wieder nach Hause reisen und das war Mendoza. Die Stadt befindet sich ziemlich auf der Mitte der argentinischen Landkarte und ist hauptsaechlich aufgrund der zahlreichen Winzereien im Umkreis ein beliebtes Reiseziel. Viele Besucher verbringen sicher Tage in den Bodégas, uns war ein halber Tag genug und mein persoenliches Highlight war auch eher die Schokoladefabrik auf halbem Wege, wo man nicht nur Schokolade probieren konnte, sondern auch Schokoladenliqueure und verschiedene andere suesse Sachen. Holger hat einen kleinen Weinlehrgang in der Trapiche-Winzerei mitgemacht und kann euch beim naechsten gemeinsamen Weinchen ne Menge zu diesem erzaehlen.
Winzerei Trapiche
Holger bei der Kostprobe

Die Stadt Mendoza laedt foermlich zum Spazieren ein, breite Alleen, huebsche Haeuser und zahlreiche Parks kann man zu Fuss erkunden und dabei die fuer Herbst immer noch sehr warmen Temperaturen geniessen.
Park España

Ausserdem liegt die Stadt am Fusse der Anden und somit eigentlich in einer recht trockenen Region. Dennoch wurden wir Zeuge sinnflutartiger Regenguesse, die die Strassen in Fluesse verwandelten und deren Durchquerung kaum mehr moeglich war. Wir versuchten es und scheiterten klaeglich, so dass Holger nun eine grosse Schramme als Souvenir mit nach Deutschland traegt. Aber, wir denken positiv, denn 1. wurden wir gleich von hilfsbereiten Menschen aufgelesen und mit dem Auto nach Hause gefahren und 2. gibt es solche Regenschauer in der Region wohl nur an 10 Tagen im Jahr...und wir konnten das miterleben.

Da es nur noch wenige Tage bis zur Heimfahrt sind, habe ich mir ein kleines Abschiedsgeschenk gemacht und war Paragliden. Mendoza veranstaltete auch schon die Championships im Paragliden, somit klang das fuer mich nach einem perfekten Ort. Die ganze Sache ist eigentlich ganz harmlos, man faehrt auf einen Berg (in meinem Fall der Cerro Arco), kriegt einen kleinen Sessel an den Ruecken geschnallt, der mit dem Schirm verbunden ist und dann laeuft man, waehrend der Tandempartner den Schirm aufrecht bringt, auf den Abrund zu und schwupp, fliegt man in einer angenehmen Geschwindigkeit so seine Runden um die Berge ab ins Tal. Der Partner macht die ganze Arbeit, gibt Tipps waehrend des Flugs, macht wenn man will nen paar verrueckte Drehungen und man selber sitzt in dem Sessel, geniesst den Ausblick und kann sogar auch Bilder machen. Dann landet man mit schnellen Schritten nach 20 bis 30 Minuten wieder auf der festen Erde und ist total happy!!!
Vorbereitung
Mein Partner und ich beim Flug

Und der letzte Tag fuehrte uns in ein Thermalquellenbad, knapp 40km ausserhalb von Mendoza. Wie in einer kleinen Oase in der Wueste kann man sich in den zahlreichen waermeren oder kaelteren Becken die von den schweren Ruecksaecken geplagten Schultern und Ruecken entspannen und einfach mal nichts tun.

Termas Cacheuta

Dies werden unsere letzten Zeilen an euch in dieser Form sein. Wir hoffen, wir konnten euch einen guten Eindruck ueber unsere Geschehnisse in Suedamerika vermitteln und vielleicht eine Anregung fuer eure naechste Reise liefern. Acht Monate sind vorbei, wir haben viel erlebt und gesehen, neue Kulturen kennengelernt, unglaubliche Menschen getroffen und auch viele neue Freunde gefunden. Und eines ist gewiss, das war nicht das letzte Mal Suedamerika!!!

La Serena - Pisco, Sterne & Delfine

Kurzentschlossen reist sich besser und so geschah es, dass wir Ben nach La Serena begleitet haben. La Serena liegt 6h noerdlich von Valpo und ist fuer 3 Sachen bekannt, die sich mit nem Mietwagen gut abarbeiten lassen! Reisen kann manchmal harte Arbeit sein!

Tag 1
bestand aus einer Radtour ins benachbarte Coquimbo, klingt nicht spektakulaer und ist es auch nicht, abgesehen von den 8 km Strandpromenade (man kann aber nur an ca. 2km baden, da die Stroemungen zu stark sind). Leider liess das Wetter es nicht zu mehr als die Fuesschen in den kalten Pazifik zu halten. Dennoch was es ein angenehm enspannter Tag nach 5 Tagen Grossstadt.
ganz schoen bergig hier

Tag 2
ging mit dem Auto in die Anden. Was die Anden hier so besonders macht, ist das Elqui Valley, einem gruenen Talzug von 150km Laenge und 500m Breite mitten in den trockenen Bergen. Gruen und Braun bilden hier einen phantastischen Kontrast.
Zum Mittag gab es eine Besonderheit der Gegend. Zicklein mit Kartoffelpueree. Nichts was man nicht auch in Deutschland bekommt, richtig! Die Besonderheit liegt in der Zubereitung, seit 1998 wird hier mit Solarenergie gekocht!
Danch ging es zu einer Piscofabrik, die aus kleinen, suessen Trauben einen Schnaps brennt, der in Chile gern als Aperitiv mit Limone (Pisco Sour) zu sich genommen wird. Natuerlich verlaesst man hier keine Fabrik ohne sich von der Qualitaet des Erzeugnisses zu ueberzeugen.
Bewertung: Als Sour ist er echt gefaehrlich!!!
Das haben wir solange gemacht, bis wir Sterne sehen konnten! Am Abend fuehrte uns ein dunkler Weg ins Observatorio Mamalluca (http://www.mamalluca.org/ingles/inicio.htm). 2 Stunden haben wir uns Sterne und Konstelationen und Nebel und Cluster und und und angeschaut. Selbst mit blossem Auge war der Anblick unglaublich!

da staunt die Oma sicher nicht schlecht

Tag 3
fuehrte uns nach Puento Choros. Nach zaehen Verhandlungen (auch eine Sache die das Reisen zu harter Arbeit macht) und langem Warten haben wir 3 ein Boot mit Fuehrer ausfindig gemacht, der uns zur Isla Choros fuhr. Hier kann man Pinguine (kleine niedliche Humboldtse), Robben, viele Voegel und ein paar Delfine (Flipper mit war mit seinen Jungs gut unterwegs) in freier Natur erleben. Gluecklicherweise war Nebensaison, so dass unser Boot das einzige war, was sich dort rumgetrieben und den lauf des Lebens gestoert hat. Nachdem wir wieder heile an Land waren, konnte ich endlich festen Boden kuessen denn Mutter Igel hat ja so recht (wie die meisten Muetter, wenn ihr mich fragt):

Igel's machen Sonntag früh
eine Segelbootpartie.
Und die Kleinen jauchzen froh,
denn das Boot das schaukelt so.

"Nicht so doll", spricht Mutter Igel,
"denn ihr hab ja keine Flügel
wenn ihr dann ins Wasser fallt,
hui - da ist es nass und kalt."


Samstag, 21. März 2009

Valparaiso in Chile

Nach Bariloche schloss sich eine 1,5-taegige Reise nach Valparaiso an, mit kurzem Zwischenstopp in Puerto Montt, welches ebenfalls schon in Chile liegt. Interessant auf diesem Wege war die akribische Arbeit der chilenischen Zollbeamten zu beobachten, welche jegliches Gepaeckstueck genauestens begutachteten und screenten. Keinerlei Naturmaterial, dass entweder noch Samen besitzt (Obst oder Gemuese) oder Transporter von Bakterien oder Viren darstellen koennte, darf u.a. ueber die Grenze geschmuggelt werden. Ich finde das sehr vernuenftig und gehe davon aus, dass auch jegliche Insekten, die Pollen an den Beinchen tragen, bzw. andere Tiere, die so durch die Natur stapfen oder fliegen und die kilometerlange Laendergrenze zwischen Argentinien und Chile ueberqueren, in der Form ueberprueft werden, denn sonst wuerde das alles ja keinen Sinn ergeben, oder?

auf dem Weg nach Puerto Montt den Wolken ganz nah

In Puerto Montt hatten wir 5 Stunden Aufenthalt bis zur Weiterfahrt und nutzten diese, uns ein grosses Lachsgericht im Fischmarkt zu bestellen, denn die Stadt ist fuer riesige Lachsfarmen bekannt. Was wir erhielten, muss wohl mal ein ganzer Lachs gewesen sein, so viel Fisch befand sich auf unseren Tellern. Der Rest, denn das war einfach nicht zu schaffen, wurde in Form von Fischbroetchen mit auf den Bus genommen.

Valparaiso liegt eine Busstunde von der Haupstadt Chiles, Santiago, entfernt. Die Stadt befindet sich direkt am Meer, reicht aber auch weit in die Berge hinein und ich habe noch nie Berghaenge so bebaut gesehen. Dies ergibt ein lustiges Bild auf dem Stadtplan, mit lauter kurvigen kleinen Strassen, die z.T. schwierig zu finden sind. Genau das aber gibt der Stadt seinen Charme, denn man kann unendlich die Gassen entlangspazieren, teilweise eher erklimmen, die buntern Haeuschen betrachten und den Ausblick auf die Stadt und den Hafen geniessen. Da die Chilenen aber keine Bergziegen sind, haben sie sich schon teilweise schonvor 100 Jahren kleine Aufzuege gebaut, die sie rumpelnd hinauf in die Berge zu ihrem Haeusern befoerdern. Wir haben diese abenteuerliche Fahrt auch einige Male mitgemacht, waren aber jedes Mal froh, heil angekommen zu sein.

sitz man auf der Terasse des gelb-orangen Hauses...

...hat man diesen Ausblick

Ob ihr es glaubt oder nicht, aber ein Nationalgericht Chiles ist der Hot Dog, der hier mit reichlich gehackten Tomaten, Avocadocreme und Mayonese zubereitet wird. Das saettigt dann fuer eine Weile. Ebenfalls fuer Voellegefuehl im Bauch sorgt ein Gericht mit dem Namen "Chorillana" ,ein Berg Pommes, mit gebratenene Zwiebeln und Kaese darauf und ganz obenauf noch ein Fleischberg. Getrunken wird als alkoholisches Getraenk gern der Pisco, ein aus Weintrauben hergestellter Schnapps, den es in vielen Geschmacksvarianten gibt.

Ben und ein Teller Chorillana fuer 2 Personen

Mit unserem Freund Ben, den wir ja schon aus Argeninien kannten und Lea, einer deutschen Aerztin, welche nun ein Praktikum in Bolivien macht, haben wir uns fuer einen 10km Lauf angemeldet und diesen mit 1000 anderen durchgezogen. Anschliessend gab es reichlich Essen, eine Siegerehrung und Tombola. Leider kann kein Bildmaterial dazu gezeigt werden, denn wir haben unsere Kamera aus Sicherheitsgruenden im Hostel gelassen. Ben, der sie dabei hatte, hat das leider spaeter bereuht, denn sie wurde ihm mitsamt Rucksack spaeter am Strand geklaut. Armer Ben! Zum Trost haben wir ihn noch ein paar Tage in den Norden Chiles begleitet.

Montag, 9. März 2009

wunderbares Bariloche

Unsere letzte Station in Patagonien war Bariloche, eine kleine Stadt in den Anden direkt am Lago Nahuel Huapi gelegen. Letzteres mussten wir nutzen und haben uns in ein schickes Hostel mit Blick auf den See eingemietet, den wir fuer 4 Tage gleich nach dem Aufstehen, beim Fruehstueck, e-mails checken oder relaxen geniessen konnten.
Bariloche und Umgebung haben so viel zu bieten, dass man hier gut beschaeftigt ist und die Landschaft auf verschiedene Weisen geniessen kann.

Unser erster Tag bestand aus morgentlichem Kayaken auf einem weiteren See, so klar und leer, dass wir gar nicht wegwollten, aber ein Ausritt hoch zu Ross stand auf dem Nachmittagsprogramm. Die Pferdchen haben uns ein ganzen Stueck hoch in die Berge getragen, von wo wir einen unvergesslichen Ausblick auf die See-und Berglandschaft hatten.



Am zweiten Tag haben wir uns mit zwei weiteren Mitbewohnern unseres Hostels ein Auto ausgeliehen und sind die (7-Seen-Route) entlanggefahren. Gesehen haben wir auf dem Weg acht Seen (klingt komisch, ist aber so), die wir aber aus Platzgruenden nicht einzeln vorstellen koennen, aber und dass koennt ihr uns glauben, alle unglaublich friedlich und azulblau waren.

Der dritte Tag ging per Mountainbike durch die Berge, welches neben einem ordentlichen Muskelkater wunderschoene Eindruecke hinterliess.

Península Valdés

Ein weiteres Naturreservat und ebenfalls Teil des UNESCO Welterbes, welches wir unserer Liste hinzufuegen koennen, ist Península Valdés, noerdlich in Patagonien an der Westkueste Argentiniens gelegen.
Gewohnt haben wir in Puerto Madryn, welches ca. eine Autostunde von der Halbinsel entfernt ist, aber nur Ruhm durch diese erlangte.

Die Halbinsel ist besonders beliebt aufgrund der Meeressaeuger, die entweder an der Kueste leben oder dieser regelmaessig einen Besuch abstatten. Am seltensten, aber wohl spektakulaeresten sind in diesem Rahmen die Killerwale zu nennen, welche die Kueste zum Futter holen frequentieren. Leider muessen wir euch aber schon fortab mitteilen, dass diese am Tage unseres Besuches nicht hungrig waren und sich somit nicht blicken liessen. Leider, aber wir sehen es folgendermassen: Eine Seerobe konnte dementsprechend ein wenig laenger leben... .

Um die Insel in ihren vollen Ausmassen kennen zu lernen, haben wir uns gemeinsam mit zwei englischen Jungs ein Auto ausgeliehen und ca. 450 km lang die steppenartige Landschaft des Reservats erkundet.

Team Simon, Cindy, Holger und Will

An verschiedenen Aussichtspunkten konnten wir uns an Pinguin-Kolonien erfreuen, die faulen Seeloewen und -robben betrachten oder einfach nur den Blick aufs unglaublich blaue Atlantikmeer werfen und die Tierchen fuer ihr Reich beneiden.

Portrait eines anonymen Pinguins, der dafuer kurz das Putzen unterbrach

Highlight der Rundfahrt war der Sonnenuntergang ueber dem Meer, den wir in voelliger Einsamkeit geniessen konnten.

Donnerstag, 5. März 2009

Parque Nacional del Glacieres

Faehrt man von Deutschland aus 3000 km in den Sueden ist man gewoehnlich an einem warmen Ort angekommen. Fliegt man dies aus Zeitmangel in Argentinien, ist man dem Ende der Welt sehr Nahe und somit der Kaelte. Unsere kurze Reise fuehrte uns ins beschaulich touristische El Calafate, eine kleine Stadt im Sueden Patagoniens, die Ausganspunkt fuer viele Unternehmungen ist. An zwei Trips in den Nationalpurk durften wir uns erfreuen.

Unser 1. Tagestrip fuehrte uns in die naechstgelegene, 223 km entfernte und selbsternannte Trekkinghauptstadt El Chalten. Nach 3 Stunden Busfahrt, Windgeschwindigkeiten um die 50 km und Regen haben wir uns gefragt, was wir hier ueberhaupt wollen. Wir wollten den Blick auf den sagenumworbenen Cerro Fitz Roy werfen, was uns leider verwaehrt wurde. Ich bin mir fast sicher, dass wir zurueckkommen werden, um ein paar Tage um diesen sagenumwogenen Berg zu wandern.

der Fitz Roy, fast komplett durch die Wolken verdeckt

Wanderlandschaft nahe des Fitz Roy

Der 2. Tag war der Hoehepunkt der Reise in den Sueden, der Glacier Perito Moreno, dem einzigen Gletscher auf der Welt, der noch waechst. Steht man vor der 50-60 m hohen und knapp 5 km breiten Eiswand und sieht wie riesige Teile abbrechen und mit einer Gewalt und ohrenbetaubendem Laerm auf der Wasseroberflaeche aufschlagen, bleibt einem der Atem weg.


kalt aber unbeschreiblich schoen